Fidonet: Dokumente und andere Informationen

Eine Einführung von Lothar Behet, 2:2446/301 und 2:2/3000
© 1998 by Lothar Behet, lbehet@nrh.de

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1. Geschichte

Das Fidonet als ältestes, privat betriebenes Netzwerk ist seit seiner Gründung im Sommer 1984 zu einem weltweiten Verbund von über 30.000 (1996) teilnehmenden Mailboxen (über 40000 sogenannte "Nodes") angewachsen.
Durch Mehrfacheinträge (Analog, ISDN, IP, Multiline-BBS) ist in den letzten Jahren die Anzahl der Mailboxen kleiner als die Anzahl der Nodes in der Nodeliste.
Sommer 1984 Tom Jennings entwickelt das Fido-Protokoll zum Nachrichtenaustausch mit Freunden anstelle des gegenseitigen Mailboxbesuches oder der Telefonate.
Herbst 1984 Statt der Einzelanrufe wird das Routing implementiert um Nachrichten für ein Gebiet geminsam in einem Anruf zu übertragen.
Ende 1984 Erste Fido-Nodes außerhalb der USA.
Das bis heute verwendete St.Louis-Format für die Nodeliste wird entwickelt.
Anfang 1985 FidoNet hat über 160 Nodes.
1986 Fidonet erreicht 1000 Nodes, darunter erste Fidonodes in Deutschland
1988 Über 3000 Nodes im Fidonet, davon ca. 40 in Deutschland
1989 Über 6000 Nodes im Fidonet, davon ca. 150 in Deutschland
1990 Über 300 von insgesamt 9000 Nodes in Deutschland.
1991 Über 12000 Nodes im Fidonet, davon ca. 700 in Deutschland
1992 Von über 15000 Nodes sind etwa 850 in Deutschland.
1993 Über 20000 Nodes im Fidonet, davon ca. 1600 in Deutschland
Einführung von ISDN in die Nodeliste.
Sommer 1993 Reorganisation (und Spaltung in Lite/Classic) der Region 24 (Deutschland)
1994 Über 28000 Nodes im Fidonet, davon ca. 2300 in Deutschland
1995 Über 36000 Nodes im Fidonet, davon ca. 4600 in Deutschland
Herbst 1995 R24 wird wieder vereint. Die Classic-Nodeliste wird eingestellt.
1996 Etwa 40000 Nodes im Fidonet, davon ca. 6700 in Deutschland
1996 Die Regionale Policy der R24 wird vom Z2C für die interne Verwendung zugelassen.
1997 Etwa 34000 Nodes im Fidonet, davon ca. 6500 in Deutschland.
Seit September 1997 sind Fido-over-IP-Nodes als Test (2:2/3xxx) in der Z2-Nodeliste.
1998 Von etwa 27000 Nodes im Fidonet sind ca. 5000 in Deutschland

Die Zahlen stammen meist aus der ersten Nodeliste des angegebenen Jahres, soweit sie mir vorliegen.


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2. Technische Grundlagen

Die Nodes tauschen in regelmäßigen Zeitabständen (häufig mehrfach täglich) die eingegangenen Daten (private Nachrichten (Netmail) und öffentliche Nachrichten (Echomail) mit ihrem übergeordneten System in der Routingstruktur aus.
Diese Nachrichten können sowohl vom Betreiber (Node), seinen festen Nutzern (Points) oder Online von einfachen Benutzern eingegeben worden sein.
Die Mailboxen sind mit einem speziellen Protokoll (FTN = Fido Technology Network) für den gegenseitigen Datenaustausch miteinander vernetzt. Das Programm für die Steuerung des Datenaustausches wird Mailer genannt.
Die Hierarchie des Datenaustausches ist in einem sternförmigen Routing innerhalb einer Region aufgebaut.
Die Nodeliste (quasi das Telefonbuch des Fidonet) enthält die wesentlichen Daten, mit denen jede Mailbox eine direkte Verbindung zu einer anderen aufbauen kann.
Die Nutzer einer Mailbox können bei regem Interesse eine FTN-kompatible Software installieren, um dann Offline als Point mit den gleichen technischen Möglichkeiten wie ein Node am Fidonet teilzunehmen.
Das FTN-Protokoll wird neben dem Fidonet auch in vielen anderen Mailboxnetzen (z.B. Virnet, Gernet, ZyXELnet, Gamesnet, ...) verwendet.


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3. Regeln

In einem großen Netzwerk mit vielen Teilnehmern, die sich in der Regel nicht persönlich kennen, bilden die folgenden Grundsätze die Basis für ein gemeinsames Hobby:

Leider reicht das nicht in allen Fällen aus, daher sind in der sogenannten Policy (derzeit Version 4.07 vom 9. Juni 1989, deutsche Übersetzung) die Beziehungen und Möglichkeiten der Systembetreiber (Nodes) im weiteren geregelt. Bei Differenzen zwischen Nodes wird im Rahmen einer Beschwerde (Complaint) der/werden die zuständigen NC eingeschaltet oder entsprechend der Hierarchie die jeweils nächsthöhere Stufe.
Die Feinheiten der Echomail sollten in einer Echopol (Stand 1. Februar 1989) geregelt werden, die sich jedoch vorwiegend an amerikanischen Gegebenheiten orientiert.
Bei der zunehmenden Verbreitung der Datenkommunikation auch im privaten Bereich und der Schaffung von Schnittstellen zum Usenet (einem Teil des Internet) sollte die Gatepol (Stand 22. Juli 1990) auch die Übergänge (Gateways) zu anderen Netzen regeln.

Weitere Details folgen in Kürze ...


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4. Begriffe im Fidonet:

BBS, Mailbox
Die Mailbox (BBS = Bulletin Board System) ist ein i.d.R. öffentlich zugängliches System, welches den Nutzern im Onlinebetrieb das Lesen und Schreiben von Nachrichten (Netmail, Echomail) gestattet. Obwohl das Fidonet sich auf den Nachrichtenaustausch beschränkt, bieten die meisten Mailboxen ihren Nutzern auch Dateien (Files) zum Bezug (Download) an, die über andere FTN-Netze in ähnlicher Form (betreffend des Verteilweges) wie die Nachrichten zwischen vielen Systemen ausgetauscht werden.

Download, Upload
Der Begriff "Download" beschreibt die Übertragung einer Datei von der Mailbox zum Nutzer, wohingegen der "Upload" die umgekerhte Richtung bezeichnet. Viele Mailboxen besitzen der Nutzungszeitbeschränkung eine Download-Beschränkung (Limit), welche erst durch den Upload den Zugriff auf weitere Daten gestattet.

Echomail
Die Echomail ist eine öffentliche Nachricht (ähnlich einem Aushang), die von jedem Interessierten gelesen werden kann. Die Echomail wird themenspezifisch in über 1000 Bereichen (Area, Echo) abgehandelt.
Hierbei ist die Verteilung auf Nachrichten beschränkt, Dateien sind ausserhalb des Fidonets anderweitig zu transportieren (es gibt im Gegensatz zum Usenet keine "Binary Groups" im Fidonet). Das dabei durchaus Fido-Adressen verwendet werden liegt an der weiten Verbreitung dieses Netzwerkes.

Fido Technology Network (FTN)
Die Spezifikationen für den Datenaustausch innerhalb des Fidonet werden vom FTSC (Fidonet Technology Standards Committee) festgelegt.
Sie gliedern sich in FTA (Fidonet Technical Administrative document), FTS (Fidonet Technical Standard), FSP (Fidonet Technical Proposal) und FRL/FSC (Fidonet Reference Library).

Gates
Ein Gate bündelt die Nachrichten eines großen Bereiches (Region, Zone) für den Austausch mit anderen Regionen oder Zonen. Eine Umwandlung des Nachrichtenformates findet dabei i.d.R. nicht statt.

Gateway
Ein Gateway nimmt die Umwandlung zwischen verschiedenen Nachrichtenstrukturen vor. Neben Gateways zum Internet bestehen auch einige zum Mausnetz und anderen, nicht FTN-kompatiblen Netzwerken.
Es gibt eine ältere Anleitung zur Nutzung von Gateways, wobei die angegebenen Adressen vor der Benutzung unbedingt zu prüfen sind!

Host
Der Host ist das Zentralsystem eines Netzes, welches die gesammelten Daten mit anderen Systemen austauscht. In großen Netzen kann die Verbindung nach Aussen auf mehrere Systeme (auch Echomail und Netmail getrennt) verteilt werden.

Hub
Der Hub ist eine Sammelstelle für mehrere Nodes, der die Daten mit dem Host seines Netzes austauscht.

Koordinatoren
Die einzelnen geografischen Teilgebiete des Fidonet werden jeweils von einem Koordinator betreut:

Für die Echomail-Koordination sind entsprechend ZEC (Zone Echomail Coordinator), REC und NEC vorgesehen.
In den meisten Nachrichtenbereichen (Echo) wird die Einhaltung der spezifischen Regeln (Rules) durch einen (oder mehrere) Moderator(en) überwacht.

Mailer
Der sogenannte Mailer ist das Programm, welches den Datenaustausch mit anderen Systemen gemäß FTS (Fidonet Technology Standard -> FTSC) abwickelt. Es enthält i.d.R. (außer bei einfacheren Pointsystemen) noch eine Zeitsteuerung, um den datenaustausch unbeobachtet zu kostengünstigen oder sonstwie angenehmen Zeiten automatisch auszuführen. Der Anruf bei einem anderen System wird "Poll" genannt.

Netmail
Die Netmail ist eine private Nachricht zwischen 2 Nutzern des Fidonet, die allenfalls während der Übertragung von dritten gelesen werden kann, sofern sie nicht verschlüsselt wurde.
Da das Fidonetz keine kommerziellen Nachrichten transportiert, unterbinden viele Systeme den Transport verschlüsselter Nachrichten genauso wie die Verteilung von Dateien in kodierter Form per Netmail.

Netzwerk
Ein Netzwerk ist ein Verbund von Computern, die Daten in regelmäßigen Abständen austauschen oder ständig miteinander verbunden sind.

Node
Der Node ist i.d.R. eine Mailbox, die für mehrere Benutzer die Daten bereithält. Heutzutage gehen jedoch viele ihrem Hobby "Fidonet" ohne öffentlichen Zugang für Dritte nach, so daß der Node auf den Betreiber geschrumpft ist.
Der Node ist verpflichtet, sein System mindestens eine Stunde am Tag zur Netmail-Hour (NMH) empfangsbereit zu halten.

Nodelist
Die Nodelist ist das Telefonbuch des Fidonet, welche die direkte Verbindung zwischen 2 beliebigen Systemen ermöglicht, sofern beide eine passende Kommunikationstechnik benutzen.
Sie enthält im wesentlichen die folgenden Angaben:

Traten schon bei Modemen Probleme zwischen unterschiedlichen Herstellern auf, so ist die Verbindung zu einem ISDN-only Node nur bei Nutzung der gleichen Technik möglich. Mit der Nutzung des Internet wird es eine dritte Gruppe geben, die von den beiden anderen nicht direkt erreichbar sein wird.
Zum Glück sind jedoch die Systeme mit mehreren verschiedenen Zugangsarten wesentlich weiter verbreitet als die "Schmalspurnodes" mit nur einer neueren Verbindungstechnik, wobei die analoge Technik als Basis die weiteste Verbreitung hat und damit auch von neuen Interessenten am leichtesten genutzt werden kann. Auch im internationalen Verkehr spielt die analoge Verbindung über Modeme eine wesentliche Rolle, da ISDN und Internet nicht allen Nodes weltweit zur Verfügung stehen.

Nodenummer
Die Nodenummer ist die Adresse eines Systems im Fidonet.
Sie besteht aus 3 Teilen: z.B. 2:2446/301
Die "2" kennzeichnet die Zone 2 (Europa) im Fidonet.
Die "2446" bezeichnet das Netz 2446 in der Region 24 (Deutschland).
Die "301" adressiert das einzelne System.
Falls regelmäßige Nutzer von dem System 2:2446/301 ihre Nachrichten z.B. mit einem FTN-Programm beziehen, kann die Nodenummer erweitert werden: "2:2446/301.1" ist eine Pointadresse, über die der entsprechende Nutzer von anderen direkt angeschrieben werden kann.

Point
Der Point ist kleinste adressierbare Glied (Pointnummer, siehe Nodenummer) im Fidonet mit einer eigenen Adresse. Er verwendet eine ähnliche oder die gleiche Software wie ein Node und kann dadurch bei verhältnismäßig geringen Kosten am Nachrichtenaustausch teilnehmen.
Da sein System nicht ständig empfangsbereit ist, werden seine Nachrichten beim zugehörigen Node für ihn gesammelt und bis zum Anruf bereitgehalten.

Region
Die 6 Zonen im Fidonet sind in Regionen unterteilt, die sich i.d.R. an den geografischen Ländergrenzen (z.B. R24 = Deutschland) orientieren.
Die Regionen sind wiederum in Netze (z.B. Netz 2:2446 in der Region 24) unterteilt.

Routing
Da die direkte Verbindung von einem System zu allen anderen die Betriebskosten ins Unendliche schnellen lassen würde, hat das Fidonet von Beginn an eine sternförmige Verteilstuktur genutzt. Hierbei werden die von einem Node (z.B. 2:2446/301) gesammelten Daten mit anderen Nodes bei einem Hub (2:2446/300) konzentriert, der sie über den Host (2:2446/0) des Netzes (2:2446) an die zentralen Verteilstellen in der Region (R24 = Deutschland) weiterleitet. Dort werden Echomail und Netmail an andere Netze der Region und auch international zu anderen Regionen und Zonen (Z2 = Europa) weiterverteilt.
Zur Kostendämpfung werden die Nachrichten vor der Übertragung in Paketen komprimiert und so ggf. auch für die Bezieher (z.B. Points) bereitgehalten.

User
Der (Online-)User verwendet einen Online-Zugang zu einer Mailbox zum Lesen und Schreiben von Nachrichten sowie für den Dateibezug. Dadurch treten je nach Nutzungsdauer nicht unerhebliche Kosten an die Telekommunikationsunternehmen (z.B. Telekom) auf.

Zone
Das Fidonet ist in 6 Zonen unterteilt:


Zwischen den Zonen werden die Nachrichten im wesentlichen über sogenannte Zone-Gates ausgetauscht. In den Zonen sind die Regionen eines größeren geografischen Gebietes zusammengefaßt.
Andere Fido-kompatible Netzwerke verwenden zur Adressierung höhere Zonennummern, z.B.
ZoneBezeichnung Thema / Beschreibung



9Virnet Verteilung von Programmen und Hinweisen zum Virenschutz
16ZyXELnet Diskussion rund um und Updates die Modeme des Herstellers ZyXEL
21Gernet Die Zeitschriften des Heise-Verlages (c't, IX, Gateway, ...) und Shareware-Programme
81GFD Programme und Updates für OS/2
144Gamesnet Spiele, Spiele, Spiele, ...
185Büro Service
Network
Anwendungsprogramme, meist direkt von den Autoren
405Treibernet Treiber und Hilfsprogramme


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5. Dokumente zum Fidonet
Englische Dokumente
Policy 4.07 Die derzeit gültige Fidonet-Policy 4.07 (vom 9. Juni 1989)
NC-Elect.Z2 Ein Wahlverfahren, welches in Z2 für NC's angewendet wird (vom 5. März 1995)
Echopol 1 Die Echomail-Policy für Zone 1 (vom 1. Februar 1989)
Gatepol 1 Die Gateway-Policy in der Fassung vom 22. Juli 1990
Gateway-Anmeldung
für Zone2
Das aktuelle Online-Formular für die (Internet-)Gateway-Anmeldung in der Zone 2 der Domain "fidonet.org"
Gateway-Anmeldung Anmeldeformular für Gateways in der Domain "fidonet.org" (vom 12. August 1996)
Geschichte Ein kurzer Abriss über die Entwicklung des Fidonet (vom 8. Februar 1985)
FTSC-Archiv Die Technischen Beschreibungen des Fidonet-Standards
(Auf dem FTSC-Archiv-Server)
Fidonet-über-IP (Fidonews-Serie wie eingeschickt)
Teil 1 Definition von Fidonet-über-IP, FTS-1 Betrachtung, aktuelles Nodelist-Format
Teil 2 Verfügbare Programme für Fidonet-über-IP
Teil 3 Vorschläge zur Integration von IP-Nodes in die Nodeliste
Teil 4 Policy-Überlegungen betreffend IP-Nodes

Deutsche Dokumente
Policy 4.07 Deutsche Übersetzung der Policy 4.07 (vom 11. November 1991)
R24 Policy 1.00 Die regionale Policy der R24, Version 1.0, (vom 21. Januar 1996)
R24 Policy 1.00
(Deutsch-Englisch)
Die englische Übersetzung der regionalen Policy der R24, Version 1.0
Gator V10 Ein Ratgeber für Gateway-Benutzer (im September 1991)
Fido-ABC Eine Einführung in das Fidonet von Andy Kreuzer (1993)
Fidonet-über-IP (Fidonews-Serie in Deutsch)
Teil 1 Definition von Fidonet-ü-IP, FTS-1 Betrachtung, aktuelles Nodelist-Format
Teil 2 Verfügbare Programme für Fidonet-über-IP
Teil 3 Vorschläge zur Integration von IP-Nodes in die Nodeliste
Teil 4 Policy-Überlegungen betreffend IP-Nodes


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