Fidonet-ueber-IP, Teil 4 von 4: Policy-Betrachtungen zu IP-Nodes Copyright 1998 by Lothar Behet 1. Grundlagen (nochmal :) Schauen wir doch erstmal die Anforderungen an normale Nodes nach Policy 4.07 an: --- 1.3.2 Geografie Jede Ebene des FidoNet ist geografisch in der Ebene unmittelbar darueber enthalten. Ein gegebener geografischer Standort ist abgedeckt von EINER Zone und EINER Region innerhalb dieser Zone und ist entweder in EINEM Netzwerk oder nicht in einem Netzwerk. Es gibt niemals zwei Zonen, zwei Regionen oder zwei Netze die den selben geografischen Bereich abdecken. --- 1.3.3 Zone Mail Hour [Zonen Mail Stunde] Die Zone Mail Hour (ZMH) ist eine definierte Zeit, waehrend der alle Nodes in einer Zone in der Lage sein muessen, Netmail entgegenzunehmen. Jede FidoNet Zone definiert eine ZMH, und gibt die Zeit ihrer ZMH allen anderen FidoNet Zonen bekannt. Siehe dazu Abschnitt 2.1.8 und 10.2. --- 2.1.8 Ausschliesslichkeit der Zone Mail Stunde Die ZMH ist das Herz des FidoNet, da dann Netmail zwischen den Systemen weitergegeben wird. Jedes System dass Teil von FidoNet zu sein wuenscht, muss waehrend dieser Zeit in der Lage sein Mail zu empfangen, mittels des in den aktuellen FidoNet Technical Standards Comittee Veroeffentlichungen definierten Protokolles (FTS-0001 z.Zt. dieser Niederschrift). Es ist zulaessig weiterreichende Faehigkeiten zu haben (zum Beispiel zusaetzliche Protokolle zu unterstuetzen oder erweiterte Mail-Stunden), aber die minimale Anforderung ist FTS-0001 Faehigkeit waehrend dieser einen Stunde des Tages. --- 2.1.9 Private Nodes Die seltene Ausnahme zur Einhaltung der ZMH sind private Nodes. Personen die private Nodes beantragen sollten falls moeglich als Points unterstuetzt werden. Ein privater Eintrag ist gerechtfertigt, wenn das System mit vielen anderen Verbindung haben muss, so wie ein Echomail Verteiler. In diesen Faellen wird die genaue Art und Weise und das Timing des Mail-Ablieferns zwischen dem privaten Node und den anderen Systemen vereinbart. Eine solche Vereinbarung zwischen einem privaten System und einem Hub sind bei jeglichem Austausch dieses Hubs nicht bindend. Ein privater Node muss Teil eines Netzwerkes sein (sie koennen keine unab- haengigen Nodes [Independents] in der Region sein.) Private Eintraege belasten jedes Mitglied des FidoNet, da sie Platz in jedermanns Nodelist beanspruchen. Private Eintraege die der Bequemlichkeit eines einzelnen Sysops dienen (auf Kosten jedes anderen Sysops im FidoNet) sind ein Luxus, der nicht laenger moeglich ist. Unwesentliche, redundante Eintraege (mehr als ein Eintrag fuer die selbe Telefonnummer, ausgenommen wie durch FTSC Standards bevollmaechtigt) fallen ebenfalls in diese Kategorie. Sysops die private oder redundante Eintraege beantragen, muessen diese mit einer Erlaeuterung rechtfertigen, wie diese dem lokalen Netz oder dem gesamten FidoNet nuetzen. Der Netzwerk Koordinator oder Regional Koordinator kann diese Erklaerung jederzeit ueberpruefen, und Eintraege die nicht gerecht- fertigt sind werden entfernt. --- 10.2 Zeitschema der Zone Mail Hour Die Zone Mail Hour wird jeden Tag beachtet, einschliesslich Wochenenden und Ferien. Die Zeit basiert auf dem 'Universal Time Code' (UTC), auch als 'Greenwich Mean Time' bekannt (GMT). In Gebieten, in denen waehrend Teile des Jahres die Sommerzeit eingehalten wird, wird sich die oertliche Zeit der Zone Mail Hour aendern, weil FidoNet nicht die Sommerzeit einhaelt. Das genaue Timing der Zone Mail Hour wird fuer jede Zone vom Zonen Koordinator festgesetzt. In FidoNet Zone 1 wird die Zone Mail Hour von 09:00 bis 10:00 UTC eingehalten. In jeder der Zeit-Zonen ist dies: Eastern Standard Time 04:00 bis 05:00 Uhr Central Standard Time 03:00 bis 04:00 Uhr Mountain Standard Time 02:00 bis 03:00 Uhr Pacific Standard Time 01:00 bis 02:00 Uhr Hawaii Standard Time 23:00 bis 00:00 Uhr In FidoNet Zone 2 wird die Zone Mail Hour von 02:30 bis 03:30 Uhr UTC eingehalten. In FidoNet Zone 3 wird die Zone Mail Hour von 18:00 bis 19:00 Uhr UTC eingehalten. In jeder der beteiligten Zeit Zonen ist dies: GMT +12 Zone 06:00 bis 07:00 (New Zealand) GMT +10 Zone 04:00 bis 05:00 (East Australia) (Papua New Guinea) (Micronesia) GMT +9.5 Zone 03:30 bis 04:30 (Central Australia) GMT +9 Zone 03:00 bis 04:00 (Japan) (Korea) (Eastern Indonesia) GMT +8 Zone 02:00 bis 03:00 (Hong Kong) (Taiwan) (Central Indonesia) (Philippines) (Western Australia) GMT +7 Zone 01:00 bis 02:00 (Malaysia) (Singapore) (Thailand) (Western Indonesia) --- Jeder Koordinator (z.B. RC, ZC) ist fuer seinen Teil der Nodelistdaten verantwortlich, welche in ihrer Gesamtheit das Telefonbuch des Fidonet ist. Sie bildet die Grundlage fuer die grundsaetzlich moeglich direkte Verbindung zwischen 2 beliebigen Nodes, solange diese einen gemeinsamen technischen Standard benutzen (z.B. bestimmte analoge Modeme, ISDN oder in Zukunft IP). --- Die Anforderung des strikten FTS-1 Handshakes kann relativiert werden, da schon selbst in FTS-1, Kapitel H, auf zukuenftige Erweiterungen ueber nicht-anwaehlende Verbindungen hingewiesen wird. Dies kann auch eine modifizierte Handshaking-Prozedur bedeuten, da die in FTS-1 vorgeschlagenen Zeitrahmen nicht in allen Faellen ausreichend sind. Moeglichkeit des direkten Anrufes zwischen zwei beliebigen Nodes IP-Verbindugen haben mit ISDN-Verbindungen eines gemeinsam: Sie koennen nur zwischen 2 Nodes mit der gleichen Technologie hergestellt werden, wobei sie untereinander und zu analogen Nodes inkompatibel sind. Seit 1993 werden ISDN-Nodes in der Nodeliste mit speziellen Flags aufgefuehrt und die meisten von ihnen nutzen mindestens eine weitere analoge Leitung oder spezielle Geraete, die auszerdem konventionelle Anrufe ueber ISDN als Transportschicht in Form kombinierter Nodes unterstuetzen. --- Unter dem Strich bleiben 3 wesentliche Punkte fuer die Erteilung der Nodenummer: Einhaltung der ZMH (Zone Mail Hour), geografischer Standort und Erfuellung von FTS-0001. 2. Auswirkungen fuer IP-Nodes? Das Internet als alternativer Traegerdienst fuer FTN-kompatible Verbindungen ist de facto ein non-dial-Netz, welches zum weitaus ueberwiegenden Teil aus Festverbindungen besteht. Allerdings wird fuer die eigentliche Verbindung nur die Anwesenheit der beiden Beteiligten des FTN-Datenaustausches waehrend genau dieser Zeit benoetigt, so dasz auch Einwahlnutzer des Internet Fido ueber IP benutzen koennen. Die Zeitspanne kann dabei durchaus auf die ZMH oder eine darueber hinausgehende Online-Zeit (z.B. durch die T-Flags der Nodeliste) ausgewiesen werden. Daher ist eine in den meisten Laendern relativ kostspielige staendige Anbindung ans Internet fuer die Erfuellung der Mindestzeit nicht notwendig, allenfalls fuer die Erfuellung der Faehigkeit im engeren Sinne. Es gibt keine einfache Loesung fuer die geografische Zuordnung innerhalb des Internet, da weder die IP-Nummer noch der FQDN (Fully Qualified Domain Name) notwendigerweise an eine geografische Definition gebunden sind. Selbst Systeme wie z.B. www.fidonet.org oder fido.nrh.de koennen irgendwo auf der Welt angeschlossen sein. Daher ergibt sich die Bindung der geografischen Zuordnung an den Wohnort des Betreibers und damit die Zuweisung zu einem bestimmten Netz im Sinne des Fidonet. FTS-0001 beschreibt alle umfassend die Abwicklung die Abwicklung des Verbindungsaufbaus und Datenaustausches ueber eine konventionelle Modemverbindung ueber Telefonleitungen. Da Kapitel H ausdruecklich Raum fuer zukuenftige Entwicklungen laeszt, sollte die strikte Anforderung der FTS-0001 Verfahrensweisen ueberdacht werden. Das Internet als Traegerdienst garantiert weder eine minimale Bandweite fuer eine beliebige Verbindung noch kalkulierbare Antwortzeiten. Dadurch werden strikte FTS-0001 Verbindungen unter bestimmten Umstaenden unzuverlaessig oder sogar unmoeglich, da die Zeitgrenzen fuer manche Verbindung ueber das Internet unzureichend sind. Dieses nicht vorhersehbare Zeitverhalten waehrend einer Verbindung wird in einigen neueren Protokollen (z.B. BinkP), welche fuer den Datenverkehr ueber das Internet ausgelegt sind, entsprechend beruecksichtigt, waehrend die Authentifizierung weiter anhand der Nodelist-Daten erfolgt. Es ist durchaus wahrscheinlich, dasz in Zukunft noch weitere Protokolle fuer die FTN-Datenuebertragung ueber das Internet entwickelt werden und diese sollten dann entsprechend beruecksichtigt werden, sofern die Spezifikation veroeffentlicht wird. 3. Einige praktische Erfahrungen Waehrend des letzten Jahres als einer der ersten IP-Nodes setze ich in zunehmendem Masze striktes FidoNet ueber IP ein. Daher auch die spezielle Einbeziehung von FTS-0001 in diese Artikelreihe, da BinkP dieses nicht unterstuetzt, aber einige regelmaeszige Verbindungen ueber Telnet oder Vmodem gar nicht moeglich waeren. Innerhalb dieses Jahres haben viele Fidonet-Nodes IP-Verbindungsmoeglichkeiten zu ihrem System veroeffentlicht, aber einige von ihnen verschwanden dann wieder ohne eine weitere Nachricht, Daher sind viele Sammlungen von IP-Node-Adressen (irgendwann vielleicht auch meine eigene) unzuverlaessig, wenn sie nicht regelmaeszig kontrolliert und gepflegt werden. Weitere Prokolle: Der Datenaustausch ueber FTP erfodert keine Nodelistdaten fuer die gesicherte Verbindung, da es allein auf einer Vereinbarung zwischen den beiden Betreibern beruht. Email-basierte Verfahren erfodern ueberhaupt keine direkte, ahtenfizierte Verbindung zwischen den beiden Beteiligten. 4. Zusammenfassung und Ergebnis Ein IP-Node kann durchaus regulaeres Mitglied im Fidonet sein, sofern sein System zumindest zur ZMH erreichbar ist. Sein System musz eine direkte, durch eine Handshake-Protokoll gesicherte Verbindung ueber IP unterstuezten, bei die Nodelistdaten fuer den Verbindungsaufbau und die Authentifizierung verwendet werden. Er wird anhand seines Wohnortes einem geografischen Netz zugewiesen und sein NC verwaltet den Nodelisteneintrag auf eine verantwortungsvolle Weise. Weitere Protokolle (z.B. FTP, Email) sollten publizierbar sein, damit weitere Nutzer ohne spezielle Vorkenntnisse und vollstaendiges FTN-System unterhalb des Nodestatus ebenfalls am Fidonet teilnehmen koennen. In meinem Vorschlag (siehe Teil 3) habe ich diese Ueberlegungen beruecksichtigt, einschlieszlich der Moeglichkeit fuer zukuenftige Erweiterungen, da diese derzeit nicht vorhersehbar sind. Die Verwendung des fuehrenden "I" erlaubt auch einem Node bei einem direkten Blick in die Nodeliste zu sofortige Zuordnung zu dieser speziellen Klasse (wie z.B. auch Vxxx fuer ISDN, Hxx fuer Hst oder Zxx fuer Zyxel). Andererseits ist die Einfuehrung offizieller Flags fuer IP-Nodes wichtiger als ihre optische Erkennbarkeit. Quellen und Verfuegbarkeit Fuer weitere Informationen und Download verweise ich auf meine Website http://home.nrh.de/fido/ (English/Deutsch/teilweise Esperanto) FidoNet ueber IP testen: Unter der Adresse fido.nrh.de (194.231.142.17) koennen Test- verbindungen mit den Protokollen BinkP (Port 24554), Telnet (Port 23) und Vmodem (Port 3141) aufgebaut werden. Weitere IP-Nodes koennen der wachsenden IP-Nodeliste auf meiner Website entnommen werden Rechtliches: Copyright: Lothar Behet, im Juli 1998 Dieser Text darf in unveraenderter und vollstaendiger Form im Fidonet frei verteilt werden, Die Verbreitung (auch auszugsweise) auf Datentraegern, in gedruckter Form oder auf anderem Wege bedarf der ausdruecklichen schriftlichen Zustimmung des Autors. Verbesserungsvorschlaege bitte per Netmail an 2:2446/301 bzw. per Email an lbehet@nrh.de.