FidoNet ueber IP, Teil 2: Wie geht das und was brauche ich dafuer? Copyright: Lothar Behet, im Juli 1998 1. Historisches: Seit 1984 werden zwischen den im FidoNet organisierten Mailboxen Nachrichten uebertragen. Der Verbindungsaufbau kann automatisch (zeitgesteuert) oder manuell erfolgen. Als Verbindungsmedium werden die Telefonleitungen mit Hilfe von Modemen (MOdulator - DEModulator, Geraet zu Umsetzung der digitalen Daten in ueber das Telefonnetz vermittelbare Tonsignale) genutzt. Leider ist der generelle Datenaustausch durch unterschiedliche Modulations- arten der verschiedenen Hersteller und die technische Weiter- entwicklung beschraenkt, so dasz einige herstellereigene Modulationsverfahren nur von den eigenen Modemen unterstuetzt werden. Die fuer den Verbindungsaufbau benoetigten Parameter Geschwindigkeit und Modulationsart sind in der Nodeliste (dem "Telefonbuch" des Fidonet) enthalten und koennen von dem Mailer (Programm fuer die Steuerung des Datenaustausches) ausgewertet werden. Seit 1993 werden in einigen Laendern zunehmend die Verbindungen ueber ISDN (Integrated Services Distributed Network) in digitaler Form abgewickelt. Hierbei entfaellt die Umwandlung in analoge Signale (wie oben beim Modem beschrieben). ISDN-Verbindungen zeichnen sich durch hoehere Uebertragungsgeschwindigkeit und -sicherheit gegenueber den analogen Telefonverbindungen aus. Allerdings sind sie nicht mit den bisher verwendeten Uebertra- gungstechniken vereinbar, d.h. ohne speziell dafuer ausgelegte Terminaladapter mit zusaetzlicher Unterstuetzung der analogen Uebertragungsarten, koennen ISDN-Nodes keinen direkten Daten- austausch mit analogen Teilnehmern betreiben. Auch hierzu ent- haelt die Nodeliste Informationen ueber die moeglichen Varianten des Verbindungaufbaus. Seit 1996 wird zunehmend auch das Internet als Uebertragungsmedium eingesetzt, wobei wiederum verschiedene Abarten eingesetzt werden. Auch hierbei ist ein direkter Verbindungsaufbau zu analogen und ISDN-Nodes nicht moeglich. Zudem sind die benoetigten Daten (IP-Nummer oder FQDN) nicht ohne weiteres im Format der Nodeliste unterzubringen. Seit Sommer 1997 wird in Z2 (Europa) im Echo "IP_CONNECT" ueber die moegliche Einbindung von IP-Nodes in die Nodeliste diskutiert, was im Herbst zur Listung der Nodes 2:2/3xxx zu Testzwecken fuehrte. 2. FidoNet over IP - Was ist das? Neben der reinen Uebertragung von Daten per FTP (File Transfer Protocol) oder Email bietet das Internet die Moeglichkeit zur Kapselung von Protokolldaten anderer Struktur in IP-Paketen. Dies wird bei Fidonet-over-IP eingesetzt, um eine direkte, Passwort-geschuetzte Verbindung zwischen 2 Nodes ueber das Internet aufzubauen. Hierbei muessen nur beide gleichzeitig mit dem Internet verbunden sein. Je nach eingesetzter Software koennen die Daten dann mit einem normalen Mailer oder speziell fuer den IP-Transfer ausgelegten Programm uebertragen werden, wobei die Daten der Nodeliste (zukuenftig) fuer die Anwahl und Verifizierung der Verbindung herangezogen werden. 3. Geeignete Programme 3.1. BinkD BinkD ist ein reiner IP-Mailer, der den bekannten Binkley-Style- Outbound verwendet und somit die konventionellen Zugangsleitungen um IP ergaenzt. BinkP ist das verwendete Protokoll, welches oeffentlich und frei verfuegbar ist und mittlerweile auch von anderen Programmen (z.B. Argus, BBBS) unterstuetzt wird. BinkD ist derzeit fuer FreeBSD, Linux, OS/2, Windows95 und Windows NT sowie im Quellcode verfuegbar. 3.2. Vmodem Vmodem ist ein "virtuelles Modem" (aehnlich z.B. cfos fuer ISDN-Karten), welcher den IP-Zugang fuer normale Kommunikationsprogramme mit Hilfe einer Comport-Emulation bereitstellt. Es ist im SIO-Geraetetreiber von Ray Gwinn fuer OS/2 enthalten. Neben dem eigenen Vmodem-Protokoll (Default-Port 3141) werden Verbindungen ueber Telnet (Default-Port 23) unterstuetzt. 3.3. ifcico ifcico ist ein FidoNet-Mailer, der fuer *nix-Betriebsysteme seit Jahren eingesetzt wird. Naturgemaesz kann er neben Modemen auch den Datenaustausch ueber IP vornehmen. Es verwendet den Default-Port 60179, kann jedes mit Hilfe des TC-Patches auch Telnet-Verbindungen (Default-Port 60177) abwickeln. 3.4. Telnet Telnet ist ein Terminal-Programm, welches auch fuer den Zugang zu einer Mailbox ueber das Internet eingesetzt werden kann. Ueber den Default-Port 23 koennen auch Fido-Technik-konforme gesicherte Ver- bindungen aufgebaut werden. 3.5. Weitere Verfahren Der reine Datenaustausch ueber das Internet mit Hilfe von FTP und Email-basierten Verfahren hat nichts mit FidoNet-over-IP zu tun, da hierbei die Daten der Nodeliste nicht direkt zur Verifizierung der Verbindung verwendet werden. Bei Email-basierten Verfahren ist noch nichtmal eine direkte Verbindung notwendig/moeglich, da ledig- lich die Daten zwischen Postfaechern gelegentlich ausgetauscht werden. 4. Eigenarten und Vorteile von FidoNet-over-IP Eigentlich kann jeder die oben aufgelisteten Verfahren fuer den Datenaustausch ueber das Internet einsetzen, der irgendwie einen Zugang zu diesem Uebertragungsmedium besitzt. Die einzige Bedingung fuer den Verbindungsaufbau ist die momentane Verfuegbarkeit der Gegenstelle zum aktuellen Zeitpunkt, so dasz auch zwei Nodes mit Waehlzugang diese Technik einsetzen koennen. Eine Festverbindung ist nicht erforderlich, jedoch bei haeufig angewaehlten Systemen sinnvoll. Die Uebertragungsgeschwindigkeit der Daten ueber das Internet ist i.d.R. nicht kalkulierbar (bei analogen Verbindungen haeufig auch nicht), da sie von der niedrigsten verfuegbaren Bandbreite auf einem beliebigen Teilstueck des Netzes bestimmt wird. Hierbei kann eine 64KBit Strecke mit 5 Benutzern wesentlich schneller sein als eine 34MBit-Strecke mit 5000 Nutzern. Der Austausch der Fido-Daten kann bei Multitasking-Betriebsystemen (z.B. Linux, OS/2, Windows) parallel zu anderen Taetigkeiten (z.B. Surfen, Chatten) im Internet erfolgen, ohne dasz dafuer im Gegen- satz zum konventionellen Verbindungsaufbau (auch ISDN) zusaetzliche Anwahlkosten auftreten. 5. (Un-)Vertraeglichkeiten bei FidoNet-over-IP - BinkD als reiner IP-Mailer kann nur mit entsprechenden Gegenstellen mit dem BinkP-Protokoll Daten uebertragen. Es ist als Zusatzmailer fuer IP-Verbindungen sehr verbreitet, zumal es den Binkley-Outbound wie viele andere Programme verwendet. - Vmodem ist leider nur als Geraetetreiber fuer OS/2 verfuegbar, bietet dort aber den Vorteil der Nutzung durch fast alle Kommunikationsprogramme sowohl ueber das eigene Vmodem- Protokoll als auch des weitverbreiteten Telnet-Protokolles. Die Anpassung in den Programmen beschraenkt sich auf die Auswahl des entsprechenden CommPorts. - ifcico ist nur fuer Unix-artige Betriebsysteme verfuegbar, kann jedoch mit dem TX-Patch Verbindungen zu anderen Systemen ueber das Telnet-Protokoll aufbauen. - Telnet ist ueber alle Betriebsysteme hinweg verfuegbar (auch DOS), jedoch ist die Einbindung sehr unterschiedlich (trivial bis Hackerlevel :). - Gemeinsam ist allen Verfahren, dasz ein IP-Stack benoetigt wird, welcher bei *nix, OS/2 (ab Warp 3) und Windows 95/NT zum Liefer- umfang gehoert. Fuer DOS sind die Packettreiber erhaeltlich und fuer Windows 3.1x gibt es einen entsprechenden Zusatz. Bezugs-Quellen: (Dieses Kapital werde ich demnaechst ergaenzen, im Moment verweise ich erstmal auf http://home.nrh.de/fido/ :) Der Autor: Der Autor ist seit 1991 Mitglied im FidoNet, davon seit 1993 als einer der fruehen ISDN-Nodes als Hub am Niederrhein und seit Januar 1997 als Host in der gleichen Region. Durch den regen Einsatz von IP-Verbindungen im weltweiten Verkehr seit 1997 ist er ab dem Herbst 1997 als 2:2/3000 der erste IP- Testnode in der Nodeliste der Zone 2 aufgefuehrt. Fragen und Anregungen koennen per Netmail an 2:2446/301 (V.34), 2:2446/305 (ISDN) oder per Email an lbehet@nrh.de geschickt werden. Unter der Adresse fido.nrh.de (194.231.142.17) koennen Test- verbindungen mit den Protokollen BinkP (Port 24554), Telnet (Port 23) und Vmodem (Port 3141) aufgebaut werden. Rechtliches: Copyright: Lothar Behet, im Juli 1998 Dieser Text darf in unveraenderter und vollstaendiger Form im Fidonet frei verteilt werden, Die Verbreitung (auch auszugsweise) auf Datentraegern, in gedruckter Form oder auf anderem Wege bedarf der ausdruecklichen schriftlichen Zustimmung des Autors. Verbesserungsvorschlaege bitte per Netmail an 2:2446/301 bzw. per Email an lbehet@nrh.de.